Heizkörper waren in Kombination mit der Zentralheizung Ende des 19. Jhd ein großer Durchbruch im Zuge der Industrialisierung.

Wieso sind sie dennoch nicht mehr geeignet, um Behaglichkeit zu erschaffen?

Der Status quo in unseren Häusern

Wer hätte das gedacht? Die Erfindung des Heizkörpers war sozusagen ein Nebenprodukt anderer technischer Erfindungen. Franz San Galli, ein preußisch-russischer Unternehmer, eröffnete in den späten Jahren der Industrialisierung ein Geschäft für Wasserversorgung und Kanalisationsarbeiten. Für die Orangerien des russischen Zares installierte er eine Warmwasserniederdruckheizung und beobachtete im Laufe der Zeit, dass die Wärmeabgabe über die Verrohrung und den Kessel selbst den Raum der Heizanlage deutlich mit erwärmte. Und so war die Idee geboren, diesen Effekt zu nutzen, indem bewusst Stahlrohrkörper in Wohnräumen montiert und dann mit hoch temperiertem Wasser durchströmt wurden, um die Luft in den Räumen zu erwärmen. 1855 kam damit der erste Heizkörper auf den Markt.

Bei weiterem intensiven Studium meines Peclet stellte ich Beobachtung und Untersuchungen über den Wärmeabgabekoeffizient des Heizwassers und des Wasserdampfes an der Innenoberfläche der Gusseisenrohre, die Wärmeableitung durch deren Wände und ihre Abgabe über die Außenoberflächen
durch Strahlung und Leitung an die Umgebensluft an. So erfand ich die Heizkörper, die wesentlich bequemer und praktischer für die Heizung von Räumen, Lüftungskammern, Trockenräumen usw. waren und nannte sie Batterien.

Der Komfort, der dadurch entstand bedeutete für den Großteil der Bevölkerung einen gigantischen Schritt in Bezug auf Zeitmanagement – die Zeiten in denen nur wenige Räume geheizt wurden und diese dann konstant behütet werden mussten, da das Feuer weder ausgehen, noch auf den Raum übergreifen durfte, waren vorbei. Es gab eine zentrale Heizquelle und die einzelnen Räume wurden durch das einfache Verstellen eines Ventils ohne persönliche Fürsorge erwärmt. Heutzutage kennen wir es gar nicht mehr anders: Heizung aufdrehen und dann etwas anderes machen.

Das Wirkungsprinzip der Konvektionsheizung

Wie Franz San Galli sehr genau beobachtete, erwärmt sich die Luft um die heißen Rohre langsam und beheizt damit den Raum. Während sie das tut,
bewegt sie sich im Raum. Klar, das wissen wir alle noch aus der Schule – warme Luft steigt nach oben. Dort kühlt sie ab, sinkt wieder nach unten, wird durch die Bewegung der warmen Luft an der Heizung sozusagen hinterhergezogen, erwärmt sich wieder und steigt wieder auf. Ein Radiator erzeugt also eine Luftwalze im Raum. Auch Konvektion genannt. In Kombination mit der Erwärmung der Luft nennt man diese Art der Wärme Konvektionswärme. Je nach Größe des Raumes dauert es unterschiedlich lang, bis es angenehm warm wird.

Die Konvektion bewegt aber nicht nur die Luft, sondern trocknet die Luft auch aus. Denn je wärmer die Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen und desto weniger steht uns Menschen zur Verfügung. Das kann man bewusst benutzen, um das Raumklima zu beeinflussen, bleibt hier aber außer Betracht. Heizungsluft ist uns allen bekannt und wir verbinden damit trockene Luft, die die Atemwege reizt, oder zu tränenden Augen und juckender Haut führen kann. Besonders Hausstauballergiker leiden unter der zu trockenen Luft, da zu trockene Luft Staub auch nicht mehr binden kann und sich dadurch vermehrt Partikel einatmen lassen. Trotz der hohen Temperaturen an einem Heizkörper ist es oft so, dass wir irgendwann anfangen zu frieren, wenn wir uns lange in einem Raum aufhalten, der nur mit Radiatoren beheizt wird. Das liegt daran, dass die uns umgebenden Bauteile – also Boden, Wand und Decke – weiterhin kalt bleiben und
unserem Körper Wärme entziehen. Die hohen Temperaturen an einem Heizkörper können aber zu Staubverbrennung, bzw. Staubverschwelung führen, die Schadstoffe freisetzen, zu Geruchsbelästigung führen und unsere Atemwege stark belasten kann.

Für uns Menschen ist die Konvektionswärme also eher anstrengend, als behaglich, da unser Körper an allen möglichen Stellen selbst regulieren muss, um unsere Kerntemperatur konstant halten zu können. So bahnbrechend die Erfindung des Radiators also war, so überholt ist der Einsatz von Heizkörpern heutzutage, wenn wir uns daran orientieren wollen, was für uns das behaglichste und gesündeste ist. Dennoch finden wir sie in vielen Bestandsbauten, gerade wenn es um Mietobjekte geht.

Wie kannst Du als Mieter mit den klassischen Heizkörpern umgehen?

Da man als Mieter schlecht an dem Heizsystem etwas ändern kann, möchten wir Euch gerne ein paar Tipps geben, wie ihr mit Radiatoren umgehen könnt:

  • Grundsätzlich die Heizkörper so staubfrei wie möglich halten. Absaugen und wischen ist regelmäßig notwendig.

  • In der Heizperiode auch die Räume so staubfrei wie möglich halten

  • Um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob das Raumklima in Bezug auf Temperatur und Feuchtigkeit in der Balance ist, einen Hygrometer aufstellen und ggf die Temperatur nachregulieren, oder eventuell einen Luftbefeuchter einsetzen.

  • Regelmäßig lüften. Frische Luft erwärmt sich besser

  • Versuchen die Heizung nicht voll aufzudrehen, um Staubverschwelung zu vermeiden.

  • Heizungen regelmäßig entlüften lassen, um den Wirkungsgrad optimal zu erhalten

  • Heizventile regelmäßig checken lassen

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Wer schreibt?

Foto von Marlene Korff, Innenarchitektin und Baubiologin (IBN)

Marlene ist Innenarchitektin und Baubiologin IBN und seit vielen Jahren in der Sanierung von kleineren und größeren Objekten unterwegs. In all Ihren Projekten hat sie einen gemeinsamen Nenner gefunden: Menschen wollen Ihre Räume so individuell gestalten, wie sich selbst und entwickeln Beziehungen zu ihnen. Marlene lebt in München und arbeitet im südlichen Raum Nürnbergs. Mehr über Marlene

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Marlene ist Innenarchitektin und Baubiologin IBN und seit vielen Jahren in der Sanierung von kleineren und größeren Objekten unterwegs. In all Ihren Projekten hat sie einen gemeinsamen Nenner gefunden: Menschen wollen Ihre Räume so individuell gestalten, wie sich selbst und entwickeln Beziehungen zu ihnen. Marlene lebt in München und arbeitet im südlichen Raum Nürnbergs. Mehr über Marlene