Lehm an den Wänden und immer nur öko. Kann das eigentlich gut aussehen? Was hat das mit Gesundheit zu tun? Und ist das nicht viel zu teuer? Der BR hat sich diesen Fragen gewidmet und zwei Familien besucht, die baubiologisch wohnen und bauen.

Lehm und Schilf und Holz

Begleitet wird der BR von Ulrich Bauer, dem Vorstandsvorsitzenden des Verband Baubiologie, in dem auch wir Mitglied und aktiv tätig sind. Deshalb möchten wir  Euch den Beitrag hier gerne zeigen. Da ich zumindest bei der Sanierung als Planerin und Bauleiterin mit im Boot war, freue ich mich besonders über die Veröffentlichung und kann Euch zusätzlich noch ein paar Hintergrundinformationen mitgeben.

Der BR besucht als erstes Familie Dinkel, die ein ökologisches Holz-Lehmhaus baut. Dort findet Fero Anderson aber nicht nur Lehm und Holz, sondern auch Schlifrohrmatten, die als Putzträger für den Lehm fungieren, oder Thermo-Jute, die als Dämmung in den Innenwänden verarbeitet wird. Familie Dinkel hätte gerne einfach nur einen Grundofen im Wohnzimmer gehabt, hat sich dann aber aus energetischen Gründen für eine Wandheizung entschieden. Die Strahlungswärme der Wandheizung ist für die junge Familie ein wichtiger Faktor für die Behaglichkeit später im Haus. Da sie unter dem Lehm liegt, den Fero Anderson während der Dreharbeiten auch aktiv mit aufbringt, verwandelt sie den Lehm in einen großen Massespeicher. Für die Wärme, aber auch für die Feuchtigkeitsregulierung im Raum.

Lehm hat viele Fähigkeiten, die ein gutes Raumklima herstellen. Das Wichtigste ist die Sorptionsfähigkeit, die Feuchtigkeitsaufnahme vom Lehm. In der Heizperiode gibt er die Feuchtigkeit wieder ab, wodurch eine gleichmäßige Feuchtigkeitsverteilung entsteht. Wenn zu viel Feuchtigkeit im Raum besteht, nimmt er diese auf, ist also ein automatischer Schimmelschutz. Lehm schützt so nicht nur die Bausubstanz, sondern vor allem die Bewohner.

Sanierung statt Neubau – Baubiologie im Bestand

Flächenversiegelung ist ein brennendes Thema, wenn es um Fragen des Klimaschutzes geht. Bestandsschutz sollte vor Neubau stehen, Sanierung vor Abriss. Dies fordern auch die Architects for future mit der Bitte „hinterfragt Abriss kritisch!“. Familie Wurzinger hat das getan und sich für den Erhalt des Familienhauses entschieden. Hier wurde durch die Baubiologie mit natürlichen Baustoffen, emissionsarmen Farben und viel Licht neues Leben in die Räume gebracht. Die Struktur wurde erhalten, das Innenleben kam komplett neu.

Das ganze Konzept, der ganze Hausumriss hat für uns gepasst und wir wollten nicht größer oder kleiner werden. Deswegen haben wir gedacht, wir nehmen es so wie es ist und gestalten es innen so, wie wir es möchten.

Baubiologische Baustoffe – was kostet das eigentlich?

Unser Arbeitsalltag zeigt uns immer wieder, Baubiologie muss nicht teurer sein. Gute technische Lösungen reduzieren die Budgetlast im Allgemeinen und macht Platz für die Qualitätsstufe Baubiologie. Wer sich also für die Baubiologie entscheidet kann immer einen Weg finden, sie umzusetzen.

Herr Bauer zeigt für den Neubau ein Beispiel auf, wie das gelingen kann:

Eine Möglichkeit ist einfacher zu bauen, einfachere Lösungen zu finden, die kosten weniger Geld. Häufiger Wunsch: ein Kinderbad. Und wenn ich das weglasse, dann habe ich das Budget zur Verfügung mit Naturbaustoffen zu bauen, gutes Raumklima zu kriegen und da habe ich viel mehr davon als ein Kinderbad, das ich wenige Minuten am Tag benutze, zu dem Wohnzimmer, in dem ich den ganzen Tag mit meinen Kindern bin.

Bei der Sanierung hat Familie Wurzinger einen anderen Weg gewählt. Da die Fläche des Hauses schon da war, Räumlichkeiten also nicht reduziert werden konnten, haben sie darauf geachtet, Materialien wieder zu verwenden. Einzelteile, wie Möbel und Bieberschwanzziegel wurden aufgearbeitet und haben eine neue Verwendung gefunden. Es wurde aber auch der alte Dachstuhl sowohl in konstruktiven Bereichen, als auch zu gestalterischen Zwecken wieder verwendet, wie auch die alten Ziegel der Innenwände. Sie wurden gesäubert und wieder als Material für Innenwände benutzt, z.B. in der Küche.

Neugierig geworden? Dann nehmt Euch 10 Minuten Zeit und seht Euch den kleinen Beitrag vom BR an. Wir finden ihn sehr gelungen!

Du hast Fragen oder Anregungen? Schreib uns gerne, wir freuen uns auf Feedback.

Downloads:

Wer schreibt?

Foto von Marlene Korff, Innenarchitektin und Baubiologin (IBN)

Marlene ist Innenarchitektin und Baubiologin IBN und seit vielen Jahren in der Sanierung von kleineren und größeren Objekten unterwegs. In all Ihren Projekten hat sie einen gemeinsamen Nenner gefunden: Menschen wollen Ihre Räume so individuell gestalten, wie sich selbst und entwickeln Beziehungen zu ihnen. Marlene lebt in München und arbeitet im südlichen Raum Nürnbergs. Mehr über Marlene

Diesen Beitrag teilen:

Mehr zu diesem Thema:

Wer schreibt?

Foto von Marlene Korff, Innenarchitektin und Baubiologin (IBN)

Marlene ist Innenarchitektin und Baubiologin IBN und seit vielen Jahren in der Sanierung von kleineren und größeren Objekten unterwegs. In all Ihren Projekten hat sie einen gemeinsamen Nenner gefunden: Menschen wollen Ihre Räume so individuell gestalten, wie sich selbst und entwickeln Beziehungen zu ihnen. Marlene lebt in München und arbeitet im südlichen Raum Nürnbergs. Mehr über Marlene